Montag, 3. Oktober 2016

traumdeuter, an die arbeit...!! ;)

meine onkologin hat mir eine einschlafhilfe verschrieben für die tage nach der chemo. gestern habe ich darauf verzichtet, weswegen es halb zwei war, bis ich eine ausreichende bettschwere entwickelte. vielleicht war es darauf zurückzuführen, dass mich sehr seltsame träume befielen...

tatsächlich hatte ich eine seltsame begegnung in einer garage, als ich mein boxauto morgens aus selbiger fahren wollte. wladimir putin, der sich offenkundig für meinen vater hielt, konfrontierte mich mit der drohung, meiner mutter zu verraten, dass ich morgens im auto eine zigarette rauche... (nein!! mach ich nicht!! das rauchen hab ich aufgesteckt. ich wache auch ohne kippen mit kopfschmerzen auf. hmpf.) da ich selbst wohl auch überzeugt war, dass ich ein direkter abkömmling putins sei, bekniete ich ihn, dies nicht zu tun. er zeigte sich uneinsichtig. es könnte also ärger mit meiner mama geben, gott hab sie selig... 

danach schien ich mich in einer art keller aufzuhalten, zusammen mit mehreren anderen menschen, unter anderem einem afrikaner, dessen alter ich in erfahrung bringen wollte. leider sprachen wir nicht die gleiche sprache, weshalb ich ihn in deutsch, französisch, englisch, spanisch fragte... keine befriedigende antwort. schließlich probierte ich es in einer sprache namens "bong", die ich fließend beherrsche. nun verriet er mir, dass sein geburtstag der 27.3. sei. aber sein alter blieb mir ein rätsel... 

ich erwachte mit kopfschmerzen und völlig verzweifelt. die sache mit dem heimlichen rauchen im traum scheint mich schwer aufgeregt zu haben. 

gibt es traumdeuter?? haben putin und alterslose afrikaner irgendeine bewandtnis??  

muss ich mir gedanken machen...??!!

Donnerstag, 22. September 2016

än haufe zucker...

bei der letzten chemo saß ich neben einer absoluten spaßbremse. nun ist es ja auch nicht unbedingt zu erwarten, dass man zu humorigen ausbrüchen neigt, wenn einem das pure gift in die adern gepumpt wird. nee, aber ich versuche immer, es mir, als auch meinen mitmenschen so angenehm wie möglich zu machen. sprich: ich versuche, den anderen leuten weder unziemlich auf die pelle zu rücken (körperlich und auch verbal), noch klugscheißernd ihre nerven zu strapazieren oder ihnen irgendwie in die parade zu fahren. bislang scheint mir das auch gelungen zu sein, denn jeder, der schon mal neben oder vor mir saß, sitzt auch weiterhin freiwillig in meiner nähe...

letztes mal allerdings platzierte ich mich zwischen zwei mir bislang unbekannten frauen und grüßte nach beiden seiten freundlich. eine der beiden begann auch sofort mit mir ein gespräch. ich nahm eine flasche ginger-ale aus meiner tasche, das mag ich momentan sehr gerne. plötzlich mischte sich die andere dame, die bislang, aus welchen gründen auch immer, mit finsterer miene in die runde geschaut hatte, in unser gespräch ein: "däs is doch ä limo, odder??" ich sagte ja und sie blaffte mich an: "do is än haufe zucker drin!!" ich ging nicht weiter darauf ein, aber das mit käse überbackene laugenbrötchen, das ich dabei hatte, erregte ebenfalls ihren unmut. mir wurde ein langer vortrag gehalten, dass im fernsehen über versteckten zucker in nahrungsmitteln berichtet wurde und dass dieser den krebs ernähren würde und dass ich ja eh schon dick sei und deshalb noch mehr zucker meiden solle... (mir quallerten schon die worte hoch, dass sie sich ihre weisheiten dahin stecken soll, wo die sonne nicht hinscheint... äääh... dass das ja hochinteressant sei, aber ich momentan nicht wirklich interessiert sei an änderungen meiner essgewohnheiten...) ich schwieg dazu. die nette dame, mit der ich mich unterhalten habe, war fast ohnmächtig vor unterdrücktem lachen. 

wir nahmen unser gespräch wieder auf und landeten nach einigen minuten beim thema obst. ich liebe ja aprikosen und es ärgert mich immer wieder, wenn ich für teueres geld beim obsthändler welche kaufe und die schmecken dann nach eingeschlafenen füßen. da fuhr wieder die weltverbesserungsspezialistin dazwischen und krakeelte: "awwer kä trauwe un kä kirsche esse!! do is ÄN HAUFE ZUCKER DRIN!!".

sorry - da ist mir der hals geplatzt. ich habe der dame unmissverständlich gesagt, dass ich derzeit jede menge gift infundiert bekomme und mir daher überhaupt nicht der sinn nach ernährungsumstellung oder fastenkuren steht. ich esse und trinke, was mir schmeckt und was ich vertrage und wünsche auch nicht belehrt zu werden... sie zuckte kurz zurück, ließ mich dann aber in ruhe. knebeln und fesseln war nicht notwendig.

sollte sich jemand in meinem umfeld genötigt fühlen, mich über den zuckergehalt von lebensmitteln oder den zusammenhang von adipositas und krebs aufklären zu wollen - lasst es. ich werde militant vorgehen... ;) 





Montag, 8. August 2016

wenn du jemanden kennst...

..., der gegen den krebs gekämpft und verloren hat, oder jemanden, der immer noch dagegen kämpft, dann kopiere diesen text in deinen status zum zeichen der achtung...

so oder so ähnlich lese ich das immer wieder bei facebook. und jedes mal ärgere ich mich grün und blau. nicht, dass ich nicht auch der ansicht bin, dass man sich an jene erinnern soll, die an oder wegen dieser mistigen seuche gestorben sind (wobei ich glaube, man darf ruhig auch denen bewunderung zollen, die gegen infarkte aller art, chronische krankheiten diverser natur oder folgen von unfällen oder sonstigen krankheiten gekämpft haben oder immer noch kämpfen), und ich bin auch überzeugt, jeder, er gerade eine therapie gegen den krebs durchmacht, freut sich über ein paar aufmunternde worte oder gezollten respekt. 

aber muss es unbedingt sein, dass man völlig hirnlos einen text kopiert und teilt?? habt ihr keine eigenen worte, die ausdrücken, wie wichtig euch jene waren, die gestorben sind?? wie sehr ihr bewundert, wie tapfer sie sich durchgeschlagen haben?? wie schmerzhaft es für euch war oder ist angesichts der leiden eines euch nahestehenden menschen?? mag ja sein, dass viele das tun, weil sie denken, sie fänden nicht die richtigen worte oder könnten die tiefe ihrer gefühle nicht ausdrücken, aber... tun das tatsächlich diese vorgefertigten "kettenbrief"-artigen formulierungen?? 

ganz übel sind die posts mit dem zusatz: "ich weiß, viele werden das nicht tun, aber ich denke, ich weiß, auf wen ich mich verlassen kann... blablabla..."
was bitte ist das für ein himmelschreiender unsinn?? als zeichen des vertrauens zu euch soll ich so einen quatsch an meine virtuelle pinnwand heften?? 

ich habe vollstes mitleid mit menschen, die an psychischen erkrankungen leiden, mir käme es niemals in den sinn, menschen mit handicaps zu diskriminieren, all jene, die jemals am grab eines geliebten menschen abschied nehmen mussten, verdienen mein tiefstes mitgefühl... nichtsdestotrotz haue ich mir lieber einen zahnstocher ins auge, als die zugehörigen beiträge zu teilen. meist ist es ja noch so, dass diese in zweifelhafter sprachlicher kunst verfasst wurden und sowohl in sachen grammatik, als auch orthografie eher kreativ zu nennen sind. nö. sowas teile ich nicht. 

und wollt ihr wissen, was mit denjenigen passiert, die nachts um zwei bei mir vor der tür stehen und weinen...?? sie werden weiterhin weinen. aber wahrscheinlich werden sie den grund, warum sie ursprünglich geweint haben, vergessen haben... 
wagt euch nicht!! anrufen dürft ihr, da geht der anrufbeantworter dran... 

ich weiß auch bei den meisten meine freunde, woher ich sie kenne und möchte dies auch nicht mit einem wort beschreiben, um dann die aufforderung zu teilen, mir ebenfalls in einem wort zu schreiben, woher diejenigen mich kennen... wisst ihr, wie peinlich sowas werden kann, wenn dort dann "one-night-stand", "sauna-club" oder "swinger-paradies" steht...?? (wobei ich manchmal versucht bin, einen derartigen eintrag zu hinterlassen, um der absurdität der sache ausdruck zu verleihen. allein bei der vorstellung der diskussionen, die sich da am heimischen herd entwickeln könnten... *kicher*) 

freunde zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie irgendwelche beiträge teilen, die sie sich nicht selbst ausgedacht haben und die sie im vierteljahrestakt in ihre chronik spucken. 
freunde sagen oder schreiben dir, dass sie dich liebhaben, dass es ihnen leid tut, was du durchmachen musst, dass sie für dich da sind. sie halten deine hand, wenn du eine schlimme nachricht erhältst. sie drücken dich, und sie versichern dir, wie wichtig du ihnen bist. freunde flunkern dir mehr schlecht als recht vor, dass du wunderbar aussiehst, auch wenn du weißt, dass du für eine gastrolle in "the walking dead" kein zusätzliches make-up benötigen würdest. freunde machen das leben schöner und erleichtern dir die last, die du trägst. freunde sind gewählte familie... 

also bitte... bitte... denkt darüber nach, ob es nicht ein auch ein einfacher satz in einer chronik tut: "hey, ich denke an dich!!" das ist aufrichtiger als dieser geklaute schmonzes. ;) 



  




Dienstag, 2. August 2016

bergfest.... ;)

morgen habe ich bergfest. drei chemozyklen sind rum und ich lebe noch. das ist, wie ich das im moment erlebe, nicht selbstverständlich, denn an tag 4 oder 5 nach der chemo erscheint das zusammenrollen und sterben als eine wirklich denkbare alternative... 

da ich ja in zyklus 1 mit den schwierigkeiten gekämpft habe, dass mein knochenmark ein sehr gutes gedächtnis hat... (und die produktion von neutrophilen zellen - das sind die, die dafür sorgen, dass das immunsystem funktioniert, quasi eingestellt hatte), musste ich jetzt in zyklus 2 und 3 ein mittel spritzen, was meinem knochenmark ständig in den fetten hintern tritt und es peitscht und quetscht und hetzt, fleißig zellen zu bauen. blöd nur, dass es mir diesen medikamentösen sklaventreibereinsatz mit fiesen knochenschmerzen vergilt. und das zusätzlich zu latenter übelkeit, kopfschmerzen und schlaflosigkeit. die unkundigen unter euch sagen jetzt: najaaa.... wenn das bloß ein paar tage geht - dann hält man das doch aus, oder?? die genervten vielleicht sogar: stell dich doch nicht so an, das ist halt so und fertig!! und die mitleidigen sagen: ohje... ich wünsch dir viel kraft und durchhaltevermögen... 

danke an alle!! ja, ich halte das aus, wenn auch mit einigen seeehr dunklen gedanken. ja, es ist halt so. und ja, ich bin und bleibe taff. ;) 

letzte woche habe ich auch schon wieder eine nachricht bekommen: ich bin strahlentechnisch (leider) austherapiert. das heißt zwar: juhuu... keine bestrahlungen nach der chemo (die waren vor 12 jahren auch definitiv nicht lustig. die bestrahlungen selbst sind ja easy - aber die nebenwirkungen sind es nicht!!), aber auch: scheiße, keine möglichkeit mehr, mit dem ganz großen knüppel draufzuhauen. die ärztin sagte wörtlich: wenn der krebs wiederkommt, müsste man bei der nächsten op clips (markierungen) an der stelle setzen, wo die tumoren saßen, damit wir gezielter bestrahlen könnten.
hört sich das nicht irgendwie danach an, dass man damit rechnet, dass der mist wiederkommt?? ist das jetzt wieder so eine halb voll/halb leer-geschichte?? müsste ich enthusiastischer sein?? wahrscheinlich ja, aber in meiner momentanen verfassung mangelt es mir etwas an optimistischem potential. 

um mich und meine umwelt vom meiner postiven grundhaltung zu überzeugen, lese ich viele bewertungen von onkologischen rehaeinrichtungen. mir schweben das rehazentrum bei der therme in bad waldsee oder die klinik park-therme in badenweiler vor - was ich letztlich genehmigt bekomme, ist eine andere frage. falls jemand noch eine gute idee hat - raus damit!! ich würde ein haus mit einem schönen schwimmbad, das auch außerhalb der therapiezeiten zur verfügung steht, bevorzugen. und ich bin keine große wanderin vor dem herrn - wenn ich mir den weg in den nächsten ort nur durch marschieren längerer strecken erarbeiten kann, dann lieber nicht. ;) 

zum stricken habe ich derzeit keinen nerv. obwohl die erwarteten schmerzen in den fingern, die ich vor 12 jahren hatte, nicht eingetreten sind. (HEY!! ein hoch darauf!!) stattdessen bin ich mittlerweile am ende von band 5 der "game of thrones"-serie "das lied von eis und feuer". eigentlich liegt es mir gar nicht, buch um buch einer blutrünstigen reihe zu lesen. aber die bücher sind leichte kost (von der schreibweise , nicht vom inhalt her - mord, brand, vergewaltigung und raub sind sozusagen das tägliche brot der protagonisten. fast möchte ich sagen: man stumpft etwas ab...) und ich komme jederzeit ohne schwierigkeiten wieder rein, wenn ich den reader zugeklappt habe. krebszeit ist halt auch ein bisschen schund-zeit. man möchte sich nicht mit tiefgründigen, hochproblematischen themen belasten. mich bringt manchmal schon ein t-shirt zum weinen, das sich nicht richtig zusammenlegen lässt. oder auch der tiefe ausschnitt eines shirts, das man früher gern getragen hat und das man jetzt in die altkleidersammlung geben muss.

warum?? weil meine prothese zwar unter hochgeschlossener kleidung durchaus den optischen unterschied zwischen  meiner früheren busenfülle und dem jetzigen amazonendasein vertuscht, aber man mir zuwenig "hautfalte" gelassen hat, um den eindruck auch in einem ausgeschnittenen oberteil zu wahren. ansonsten fühle ich mich mit dieser silikonbrust zum in den bh einlegen echt wohl. es fühlt sich fast "echt" an. das gewicht, das am träger zieht, die wärme, die es annimmt, alles ist wirklich viel angenehmer als die komische übergangslösung mit füllwatte, die man im krankenhaus erst mal verpasst bekommt. ständig war ich am rumzupfen und habe mich unwohl gefühlt. kein wunder!! sobald man sich auch nur ein minimum bewegte, rutschte die schaumstoffbrust mangels gewicht irgendwo richtung schlüsselbeingrube und man sah "seltsam verwachsen" aus... die blicke - unbezahlbar. ;) 

so, auf geht's zur lymphdrainage... ein lichtblick im dunkeln. es ist doch toll, eine dreiviertelstunde sanft massiert und "gestreichelt" zu werden. ich hoffe, ich werde noch lange so verwöhnt werden. die krankenkasse sagt ja, es sei nicht erwiesen, dass lymphdrainage ein probates mittel gegen lymphstau wäre... mir aber völlig wumpe!! wenn man schon so einen scheiß wie krebs ertragen muss, dann möchte ich mich auch mal einfach hinlegen können, gott nen guten mann sein lassen und mich befummeln und beknatschen auf rezept lassen, himmel!!

wie seht ihr das?? 




Donnerstag, 16. Juni 2016

jammern hilft nicht...

nein, nicht wirklich.

am montag hatte ich meine erste chemo. im vergleich zu der tortur vor 12 jahren muss ich sagen - es hat sich nicht viel getan. noch immer sitzen viele kranke menschen in liegestühlen, auf sesselchen oder auf einer couch. die wenigsten lesen oder stricken (so, wie ich...), eher ist relaxen angesagt. soweit man das kann, in der situation. ich vermute, viele sind auch einfach zu kaputt, um noch irgendetwas anderes zu tun, als nur zu sitzen und zu ertragen...

direkt nach der chemo wurde ich abgeholt und nach hause gefahren. der tag verlief ganz gut, ich hatte keine großen einschränkungen. nachts hat mich der bauch ein wenig umgetrieben, aber ich glaube, das war eher die aufregung als tatsächlich schon nebenwirkungen.

die kamen heute... örgsn. die nacht über habe ich schwer gelitten. schmerzen im rücken und in den oberschenkeln, das gift tut seine arbeit und macht wohl unschuldige kleine blutkörperchen kaputt. geschlafen habe ich nur wenig, bin stattdessen unterwegs gewesen und habe meine katzen genervt. die konnten es nicht fassen, dass ich keine ruhe geben wollte und ständig durch die wohnung lief. alle liegeflächen ausprobierend, wanderte ich ruhelos von einem bett zur nächsten couch und haute mir heute morgen dann eine schmerztablette rein. eine halbe stunde später war ich dann eingepennt und konnte tatsächlich ein paar stündchen ruhen... gott sei dank!! schlafentzug ist für mich folter. 

ansonsten halte ich die ohren steif und versuche, mich zu beschäftigen. im fernsehen laufen hauptsächlich zoosendungen. ;) nachts höre ich mal wieder die pilgerreise von hape kerkeling und der gut gefüllte e-book-reader lässt auch keine wünsche offen. 

also: don't worry!! i'm still alive!!  

Donnerstag, 5. Mai 2016

hilfe!! ich bin leider doof...

heute ist ein wunderschöner, sonniger, warmer tag. und egal, ob mich gerade andere sorgen plagen, ich genieße den blauen himmel. also was liegt näher, als das töchting auf dem hockeyplatz zu begleiten, wo sie trainiert und ich am spielfeldrand sitzen kann, lesen, stricken, gott einen guten mann sein lassen...??

was ich auch ausgiebig getan habe. zwei stunden lang. ich lese gerade dieses buch und finde es so lalá... 




zwischendurch habe ich an meinem naiada aus einem 750m-bobbel "düne" von 100farbspiele gestrickt und die aussicht genossen. 



soweit, so gut...

blöderweise habe ich etwas gaaanz wichtiges vergessen. sehr wichtig. gerade für blonde, unbefellte, nordische hauttypen wie mich. 

ihr könnt es euch denken??!!

seht das:



oberfetter sonnenbrand. total peinlich. der blaue fleck auf meinem unterarm ist übrigens das ergebnis des versuchs, eine vorab mit kinderanästhesiepflaster betäubte stelle zu punktieren, um eine nadel in einer vene zu versenken. war 'ne blöde idee mit dem pflaster... kann ich nicht empfehlen.

nein, ihr müsst mich nicht bemitleiden. und nein, es ist nicht so schmerzhaft, wie es aussieht. und jaaaa, ich kenne den zusammenhang zwischen sonnenbränden und hautkrebs. 

ich bin halt leider doof. sehr doof...


Montag, 2. Mai 2016

very, very long time no see, ...

... ja, ich weiß. ich hab auch ein ganz schlechtes gewissen. oder vielleicht doch nicht... 

egal!! jedenfalls hab ich heute spontan beschlossen, wieder regelmäßiger an meinem blog zu schreiben. irgendwie überfällt mich dieses bedürfnis immer in krisenzeiten. 
der aufmerksame leser wird jetzt sagen: "KRISE??!!", und ich antworte: "ja. krise."

ich mach es kurz: ich hab wieder krebs. die kacke an der hacke. schöne scheisse. voll der mist. und was einem sonst noch so einfällt bei diesem schlagwort. also, mir fällt nur das ein... 

vor einigen tagen hab ich einen blöden knoten in meiner linken brust entdeckt. und obwohl ich normalerweise eher wenig panisch reagiere, war da sofort ein komisches gefühl, als ob ich es geahnt oder gewusst hätte. jedenfalls ging dann alles relativ schnell. die frauenärztin hat einen schall gemacht und gesagt, ihr gefiele dieses ding nicht, was sich da zeigte, aber vom "schallschattenverhalten" wäre es nicht typisch für einen malignen tumor. dennoch sollte ich sofort zur mammographie und sicherheitshalber sollte ich gleich mal einen termin für eine biopsie machen. der radiologe bei der mammographie sagte, es sei kein grund zur panik vorhanden. es sehe nicht gefährlich aus, aber eine biopsie könne nicht schaden. wäre da nicht meine vorgeschichte, würde er mich lediglich in einem halben jahr wieder einbestellt haben. vielleicht hatte der gute mann einfach nur angst, ich könne durch hysterisches weinen oder andere dramatisch wirkende szenen seine anderen patienten verschrecken. oder er hat was an den augen. oder was am kopf... jedenfalls sprach er mit mir, als ob mein misstrauen in die "dichte stelle im narbengewebe" überhaupt nicht gerechtfertigt sei.

da war ich zwar beunruhigt, aber irgendwie hörte sich das ganze nicht nach dem bösen wort an. also ging ich, nachdem sich mein chef vehement für einen zeitnahen termin für die biopsie eingesetzt hat, ins brustzentrum des hauses, in dem ich arbeite, um mir fünf kleine gewebswürstchen aus meinem busen stanzen zu lassen. die ärztin war sehr ernst und meinte, die optimistischen meinungen ihrer vorab untersuchenden kollegen könne sie nicht teilen. da begann sich mein "komisches gefühl" in leichte panik zu verwandeln. 

es kam, wie es kommen musste, die bestätigung der angsteinflößenden diagnose erhielt ich dann in der folgenden woche. und dann ging es mir wieder wie beim ersten mal: der zug fährt los und ich sitze drin, obwohl ich lieber ausgestiegen wäre. die handbremse funktioniert nicht und ich weiß, ich fahre in die falsche richtung... also so ähnlich fühlt es sich an. 

die nächste station waren die staging-untersuchungen: das ct, für das ich eine möglichst gut platzierte nadel in meiner vene mitbringen sollte. ich kann euch sagen: ein drama in drei akten!! ich olle schissbuxe hatte wie immer eine heidenangst vor den einstichen in die schlecht zu erkennenden gefäße meiner dicken kurzen speckärmchen. und es dauerte dann auch tatsächlich fast bis zu einem nervenzusammenbruch meinerseits, bis da eine grüne braunüle meinen unterarm zierte. 

nach dem ct ließ ich sie einfach liegen, ich brauchte sie ja drei tage später noch. das ist zwar unkonventionell und eher ungern gesehen, aber ich war sehr nett zu ihr und habe sie gut unterhalten und liebevoll gepflegt. so konnte das mrt problemlos laufen. 
das war übrigens neu für mich: man positionierte mich kieloben auf der pritsche, mit freischwingenden brüsten... bestimmt ein bild für götter. aber so hatte ich auch überhaupt keine zeit, die prophezeite platzangst zu entwickeln. im hinlegen und gott einen guten mann sein lassen bin ich weltmeister. auf dem bauch liegen, sich blöd vorkommen und auf den rhythmus der trommel zu horchen - das kann ich prima!!

danach musste ich mir ein kontrastmittel für das nachmittägliche knochenszintigramm spritzen lassen. meine aufgabe: mindestens einen liter wasser trinken und häufig ebensolches lassen. das ist auch so eine lieblingsdisziplin von mir. nach einem liter wasser habe ich mindestens fünf liter davongetragen. die anschließende untersuchung war dann ein klacks...

aus gut informierter quelle habe ich erfahren, dass sich keine metastasen gebildet haben. ich konnte das kaum glauben, denn dieser bohrende schmerz in meinem rücken, die ständige übelkeit, der seltsame husten... alles offenkundig meiner phantasie geschuldet, denn jetzt ist das alles weg und ich fühle mich, als ob ich bäume ausreißen könnte. tu ich aber nicht. nein, sicher nicht. schließlich hab ich immer noch krebs. fast hätte ich's vergessen...

morgen geht's zur besprechung und weiteren planung. mal sehen, was man sich für mich ausgedacht hat. ich bin ja sooo gespannt... 

auf jeden fall muss ich immer wieder feststellen, dass meine optimistische grundhaltung und mein schwarzer humor nicht bei jedem gut ankommen. als mein sohn sagt, dass mein deo sich auf seine atemwege lege und sicher krebs verursache, grinse ich und sage: "das wird's gewesen sein!!" und alle anwesenden schauen betreten zu boden. bis auf meine tochter, die ebenfalls lacht. sie ist halt meine tochter... in jeder hinsicht. wir beide werfen uns die bälle zu, bis alle anderen weinen. das ist eben unsere art, damit umzugehen. uns geht es gut damit.

überhaupt bin ich eher stinkig als depressiv und eher genervt als furchtsam. ich kann mit hoher wahrscheinlichkeit damit rechnen, wieder eine chemo machen zu müssen. das wird sicher äußerst lästig, denn das letzte mal sah das so aus, dass ich hauptberuflich monatelang auf der couch rumlungerte und mich davon abhalten musste, einfach die augen zu schließen und auf das ende zu warten. das kam natürlich nicht, und irgendwann musste ich auf's klo oder eines meiner kinder wollte irgendetwas von mir oder ich bekam hunger. 

das wird sicher wieder so blöd wie damals auch. 

am 11.5. muss ich unter's messer. diesmal wird es radikal. total. weg damit. autschn... die amazonen haben sich die linke brust weggeschnippelt, damit sie besser schießen konnten. mal sehen, ob mir das auch irgendeinen vorteil bringt. schießen kann ich nämlich nicht. zudem ähnle ich in nichts auch nur ansatzweise einer amazone. 

krankenhausaufenthalte finde ich ja immer hochgradig schrecklich. ich hatte meist das zweifelhafte vergnügen, mehr als seltsame mitpatientinnen zu haben, die entweder die nacht zum tag machten, oder lautstarke selbstgespräche führten, oder eine vorliebe für freddy quinn und tony marshall hatten. hoffentlich bleibt mir das erspart - ich bin nicht mehr ganz so tolerant gegenüber exzentrikern und anderen komischen vögeln. 

ich werde halt alt...