Donnerstag, 5. Mai 2016

hilfe!! ich bin leider doof...

heute ist ein wunderschöner, sonniger, warmer tag. und egal, ob mich gerade andere sorgen plagen, ich genieße den blauen himmel. also was liegt näher, als das töchting auf dem hockeyplatz zu begleiten, wo sie trainiert und ich am spielfeldrand sitzen kann, lesen, stricken, gott einen guten mann sein lassen...??

was ich auch ausgiebig getan habe. zwei stunden lang. ich lese gerade dieses buch und finde es so lalá... 




zwischendurch habe ich an meinem naiada aus einem 750m-bobbel "düne" von 100farbspiele gestrickt und die aussicht genossen. 



soweit, so gut...

blöderweise habe ich etwas gaaanz wichtiges vergessen. sehr wichtig. gerade für blonde, unbefellte, nordische hauttypen wie mich. 

ihr könnt es euch denken??!!

seht das:



oberfetter sonnenbrand. total peinlich. der blaue fleck auf meinem unterarm ist übrigens das ergebnis des versuchs, eine vorab mit kinderanästhesiepflaster betäubte stelle zu punktieren, um eine nadel in einer vene zu versenken. war 'ne blöde idee mit dem pflaster... kann ich nicht empfehlen.

nein, ihr müsst mich nicht bemitleiden. und nein, es ist nicht so schmerzhaft, wie es aussieht. und jaaaa, ich kenne den zusammenhang zwischen sonnenbränden und hautkrebs. 

ich bin halt leider doof. sehr doof...


Montag, 2. Mai 2016

very, very long time no see, ...

... ja, ich weiß. ich hab auch ein ganz schlechtes gewissen. oder vielleicht doch nicht... 

egal!! jedenfalls hab ich heute spontan beschlossen, wieder regelmäßiger an meinem blog zu schreiben. irgendwie überfällt mich dieses bedürfnis immer in krisenzeiten. 
der aufmerksame leser wird jetzt sagen: "KRISE??!!", und ich antworte: "ja. krise."

ich mach es kurz: ich hab wieder krebs. die kacke an der hacke. schöne scheisse. voll der mist. und was einem sonst noch so einfällt bei diesem schlagwort. also, mir fällt nur das ein... 

vor einigen tagen hab ich einen blöden knoten in meiner linken brust entdeckt. und obwohl ich normalerweise eher wenig panisch reagiere, war da sofort ein komisches gefühl, als ob ich es geahnt oder gewusst hätte. jedenfalls ging dann alles relativ schnell. die frauenärztin hat einen schall gemacht und gesagt, ihr gefiele dieses ding nicht, was sich da zeigte, aber vom "schallschattenverhalten" wäre es nicht typisch für einen malignen tumor. dennoch sollte ich sofort zur mammographie und sicherheitshalber sollte ich gleich mal einen termin für eine biopsie machen. der radiologe bei der mammographie sagte, es sei kein grund zur panik vorhanden. es sehe nicht gefährlich aus, aber eine biopsie könne nicht schaden. wäre da nicht meine vorgeschichte, würde er mich lediglich in einem halben jahr wieder einbestellt haben. vielleicht hatte der gute mann einfach nur angst, ich könne durch hysterisches weinen oder andere dramatisch wirkende szenen seine anderen patienten verschrecken. oder er hat was an den augen. oder was am kopf... jedenfalls sprach er mit mir, als ob mein misstrauen in die "dichte stelle im narbengewebe" überhaupt nicht gerechtfertigt sei.

da war ich zwar beunruhigt, aber irgendwie hörte sich das ganze nicht nach dem bösen wort an. also ging ich, nachdem sich mein chef vehement für einen zeitnahen termin für die biopsie eingesetzt hat, ins brustzentrum des hauses, in dem ich arbeite, um mir fünf kleine gewebswürstchen aus meinem busen stanzen zu lassen. die ärztin war sehr ernst und meinte, die optimistischen meinungen ihrer vorab untersuchenden kollegen könne sie nicht teilen. da begann sich mein "komisches gefühl" in leichte panik zu verwandeln. 

es kam, wie es kommen musste, die bestätigung der angsteinflößenden diagnose erhielt ich dann in der folgenden woche. und dann ging es mir wieder wie beim ersten mal: der zug fährt los und ich sitze drin, obwohl ich lieber ausgestiegen wäre. die handbremse funktioniert nicht und ich weiß, ich fahre in die falsche richtung... also so ähnlich fühlt es sich an. 

die nächste station waren die staging-untersuchungen: das ct, für das ich eine möglichst gut platzierte nadel in meiner vene mitbringen sollte. ich kann euch sagen: ein drama in drei akten!! ich olle schissbuxe hatte wie immer eine heidenangst vor den einstichen in die schlecht zu erkennenden gefäße meiner dicken kurzen speckärmchen. und es dauerte dann auch tatsächlich fast bis zu einem nervenzusammenbruch meinerseits, bis da eine grüne braunüle meinen unterarm zierte. 

nach dem ct ließ ich sie einfach liegen, ich brauchte sie ja drei tage später noch. das ist zwar unkonventionell und eher ungern gesehen, aber ich war sehr nett zu ihr und habe sie gut unterhalten und liebevoll gepflegt. so konnte das mrt problemlos laufen. 
das war übrigens neu für mich: man positionierte mich kieloben auf der pritsche, mit freischwingenden brüsten... bestimmt ein bild für götter. aber so hatte ich auch überhaupt keine zeit, die prophezeite platzangst zu entwickeln. im hinlegen und gott einen guten mann sein lassen bin ich weltmeister. auf dem bauch liegen, sich blöd vorkommen und auf den rhythmus der trommel zu horchen - das kann ich prima!!

danach musste ich mir ein kontrastmittel für das nachmittägliche knochenszintigramm spritzen lassen. meine aufgabe: mindestens einen liter wasser trinken und häufig ebensolches lassen. das ist auch so eine lieblingsdisziplin von mir. nach einem liter wasser habe ich mindestens fünf liter davongetragen. die anschließende untersuchung war dann ein klacks...

aus gut informierter quelle habe ich erfahren, dass sich keine metastasen gebildet haben. ich konnte das kaum glauben, denn dieser bohrende schmerz in meinem rücken, die ständige übelkeit, der seltsame husten... alles offenkundig meiner phantasie geschuldet, denn jetzt ist das alles weg und ich fühle mich, als ob ich bäume ausreißen könnte. tu ich aber nicht. nein, sicher nicht. schließlich hab ich immer noch krebs. fast hätte ich's vergessen...

morgen geht's zur besprechung und weiteren planung. mal sehen, was man sich für mich ausgedacht hat. ich bin ja sooo gespannt... 

auf jeden fall muss ich immer wieder feststellen, dass meine optimistische grundhaltung und mein schwarzer humor nicht bei jedem gut ankommen. als mein sohn sagt, dass mein deo sich auf seine atemwege lege und sicher krebs verursache, grinse ich und sage: "das wird's gewesen sein!!" und alle anwesenden schauen betreten zu boden. bis auf meine tochter, die ebenfalls lacht. sie ist halt meine tochter... in jeder hinsicht. wir beide werfen uns die bälle zu, bis alle anderen weinen. das ist eben unsere art, damit umzugehen. uns geht es gut damit.

überhaupt bin ich eher stinkig als depressiv und eher genervt als furchtsam. ich kann mit hoher wahrscheinlichkeit damit rechnen, wieder eine chemo machen zu müssen. das wird sicher äußerst lästig, denn das letzte mal sah das so aus, dass ich hauptberuflich monatelang auf der couch rumlungerte und mich davon abhalten musste, einfach die augen zu schließen und auf das ende zu warten. das kam natürlich nicht, und irgendwann musste ich auf's klo oder eines meiner kinder wollte irgendetwas von mir oder ich bekam hunger. 

das wird sicher wieder so blöd wie damals auch. 

am 11.5. muss ich unter's messer. diesmal wird es radikal. total. weg damit. autschn... die amazonen haben sich die linke brust weggeschnippelt, damit sie besser schießen konnten. mal sehen, ob mir das auch irgendeinen vorteil bringt. schießen kann ich nämlich nicht. zudem ähnle ich in nichts auch nur ansatzweise einer amazone. 

krankenhausaufenthalte finde ich ja immer hochgradig schrecklich. ich hatte meist das zweifelhafte vergnügen, mehr als seltsame mitpatientinnen zu haben, die entweder die nacht zum tag machten, oder lautstarke selbstgespräche führten, oder eine vorliebe für freddy quinn und tony marshall hatten. hoffentlich bleibt mir das erspart - ich bin nicht mehr ganz so tolerant gegenüber exzentrikern und anderen komischen vögeln. 

ich werde halt alt...