Montag, 8. August 2016

wenn du jemanden kennst...

..., der gegen den krebs gekämpft und verloren hat, oder jemanden, der immer noch dagegen kämpft, dann kopiere diesen text in deinen status zum zeichen der achtung...

so oder so ähnlich lese ich das immer wieder bei facebook. und jedes mal ärgere ich mich grün und blau. nicht, dass ich nicht auch der ansicht bin, dass man sich an jene erinnern soll, die an oder wegen dieser mistigen seuche gestorben sind (wobei ich glaube, man darf ruhig auch denen bewunderung zollen, die gegen infarkte aller art, chronische krankheiten diverser natur oder folgen von unfällen oder sonstigen krankheiten gekämpft haben oder immer noch kämpfen), und ich bin auch überzeugt, jeder, er gerade eine therapie gegen den krebs durchmacht, freut sich über ein paar aufmunternde worte oder gezollten respekt. 

aber muss es unbedingt sein, dass man völlig hirnlos einen text kopiert und teilt?? habt ihr keine eigenen worte, die ausdrücken, wie wichtig euch jene waren, die gestorben sind?? wie sehr ihr bewundert, wie tapfer sie sich durchgeschlagen haben?? wie schmerzhaft es für euch war oder ist angesichts der leiden eines euch nahestehenden menschen?? mag ja sein, dass viele das tun, weil sie denken, sie fänden nicht die richtigen worte oder könnten die tiefe ihrer gefühle nicht ausdrücken, aber... tun das tatsächlich diese vorgefertigten "kettenbrief"-artigen formulierungen?? 

ganz übel sind die posts mit dem zusatz: "ich weiß, viele werden das nicht tun, aber ich denke, ich weiß, auf wen ich mich verlassen kann... blablabla..."
was bitte ist das für ein himmelschreiender unsinn?? als zeichen des vertrauens zu euch soll ich so einen quatsch an meine virtuelle pinnwand heften?? 

ich habe vollstes mitleid mit menschen, die an psychischen erkrankungen leiden, mir käme es niemals in den sinn, menschen mit handicaps zu diskriminieren, all jene, die jemals am grab eines geliebten menschen abschied nehmen mussten, verdienen mein tiefstes mitgefühl... nichtsdestotrotz haue ich mir lieber einen zahnstocher ins auge, als die zugehörigen beiträge zu teilen. meist ist es ja noch so, dass diese in zweifelhafter sprachlicher kunst verfasst wurden und sowohl in sachen grammatik, als auch orthografie eher kreativ zu nennen sind. nö. sowas teile ich nicht. 

und wollt ihr wissen, was mit denjenigen passiert, die nachts um zwei bei mir vor der tür stehen und weinen...?? sie werden weiterhin weinen. aber wahrscheinlich werden sie den grund, warum sie ursprünglich geweint haben, vergessen haben... 
wagt euch nicht!! anrufen dürft ihr, da geht der anrufbeantworter dran... 

ich weiß auch bei den meisten meine freunde, woher ich sie kenne und möchte dies auch nicht mit einem wort beschreiben, um dann die aufforderung zu teilen, mir ebenfalls in einem wort zu schreiben, woher diejenigen mich kennen... wisst ihr, wie peinlich sowas werden kann, wenn dort dann "one-night-stand", "sauna-club" oder "swinger-paradies" steht...?? (wobei ich manchmal versucht bin, einen derartigen eintrag zu hinterlassen, um der absurdität der sache ausdruck zu verleihen. allein bei der vorstellung der diskussionen, die sich da am heimischen herd entwickeln könnten... *kicher*) 

freunde zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie irgendwelche beiträge teilen, die sie sich nicht selbst ausgedacht haben und die sie im vierteljahrestakt in ihre chronik spucken. 
freunde sagen oder schreiben dir, dass sie dich liebhaben, dass es ihnen leid tut, was du durchmachen musst, dass sie für dich da sind. sie halten deine hand, wenn du eine schlimme nachricht erhältst. sie drücken dich, und sie versichern dir, wie wichtig du ihnen bist. freunde flunkern dir mehr schlecht als recht vor, dass du wunderbar aussiehst, auch wenn du weißt, dass du für eine gastrolle in "the walking dead" kein zusätzliches make-up benötigen würdest. freunde machen das leben schöner und erleichtern dir die last, die du trägst. freunde sind gewählte familie... 

also bitte... bitte... denkt darüber nach, ob es nicht ein auch ein einfacher satz in einer chronik tut: "hey, ich denke an dich!!" das ist aufrichtiger als dieser geklaute schmonzes. ;) 



  




Dienstag, 2. August 2016

bergfest.... ;)

morgen habe ich bergfest. drei chemozyklen sind rum und ich lebe noch. das ist, wie ich das im moment erlebe, nicht selbstverständlich, denn an tag 4 oder 5 nach der chemo erscheint das zusammenrollen und sterben als eine wirklich denkbare alternative... 

da ich ja in zyklus 1 mit den schwierigkeiten gekämpft habe, dass mein knochenmark ein sehr gutes gedächtnis hat... (und die produktion von neutrophilen zellen - das sind die, die dafür sorgen, dass das immunsystem funktioniert, quasi eingestellt hatte), musste ich jetzt in zyklus 2 und 3 ein mittel spritzen, was meinem knochenmark ständig in den fetten hintern tritt und es peitscht und quetscht und hetzt, fleißig zellen zu bauen. blöd nur, dass es mir diesen medikamentösen sklaventreibereinsatz mit fiesen knochenschmerzen vergilt. und das zusätzlich zu latenter übelkeit, kopfschmerzen und schlaflosigkeit. die unkundigen unter euch sagen jetzt: najaaa.... wenn das bloß ein paar tage geht - dann hält man das doch aus, oder?? die genervten vielleicht sogar: stell dich doch nicht so an, das ist halt so und fertig!! und die mitleidigen sagen: ohje... ich wünsch dir viel kraft und durchhaltevermögen... 

danke an alle!! ja, ich halte das aus, wenn auch mit einigen seeehr dunklen gedanken. ja, es ist halt so. und ja, ich bin und bleibe taff. ;) 

letzte woche habe ich auch schon wieder eine nachricht bekommen: ich bin strahlentechnisch (leider) austherapiert. das heißt zwar: juhuu... keine bestrahlungen nach der chemo (die waren vor 12 jahren auch definitiv nicht lustig. die bestrahlungen selbst sind ja easy - aber die nebenwirkungen sind es nicht!!), aber auch: scheiße, keine möglichkeit mehr, mit dem ganz großen knüppel draufzuhauen. die ärztin sagte wörtlich: wenn der krebs wiederkommt, müsste man bei der nächsten op clips (markierungen) an der stelle setzen, wo die tumoren saßen, damit wir gezielter bestrahlen könnten.
hört sich das nicht irgendwie danach an, dass man damit rechnet, dass der mist wiederkommt?? ist das jetzt wieder so eine halb voll/halb leer-geschichte?? müsste ich enthusiastischer sein?? wahrscheinlich ja, aber in meiner momentanen verfassung mangelt es mir etwas an optimistischem potential. 

um mich und meine umwelt vom meiner postiven grundhaltung zu überzeugen, lese ich viele bewertungen von onkologischen rehaeinrichtungen. mir schweben das rehazentrum bei der therme in bad waldsee oder die klinik park-therme in badenweiler vor - was ich letztlich genehmigt bekomme, ist eine andere frage. falls jemand noch eine gute idee hat - raus damit!! ich würde ein haus mit einem schönen schwimmbad, das auch außerhalb der therapiezeiten zur verfügung steht, bevorzugen. und ich bin keine große wanderin vor dem herrn - wenn ich mir den weg in den nächsten ort nur durch marschieren längerer strecken erarbeiten kann, dann lieber nicht. ;) 

zum stricken habe ich derzeit keinen nerv. obwohl die erwarteten schmerzen in den fingern, die ich vor 12 jahren hatte, nicht eingetreten sind. (HEY!! ein hoch darauf!!) stattdessen bin ich mittlerweile am ende von band 5 der "game of thrones"-serie "das lied von eis und feuer". eigentlich liegt es mir gar nicht, buch um buch einer blutrünstigen reihe zu lesen. aber die bücher sind leichte kost (von der schreibweise , nicht vom inhalt her - mord, brand, vergewaltigung und raub sind sozusagen das tägliche brot der protagonisten. fast möchte ich sagen: man stumpft etwas ab...) und ich komme jederzeit ohne schwierigkeiten wieder rein, wenn ich den reader zugeklappt habe. krebszeit ist halt auch ein bisschen schund-zeit. man möchte sich nicht mit tiefgründigen, hochproblematischen themen belasten. mich bringt manchmal schon ein t-shirt zum weinen, das sich nicht richtig zusammenlegen lässt. oder auch der tiefe ausschnitt eines shirts, das man früher gern getragen hat und das man jetzt in die altkleidersammlung geben muss.

warum?? weil meine prothese zwar unter hochgeschlossener kleidung durchaus den optischen unterschied zwischen  meiner früheren busenfülle und dem jetzigen amazonendasein vertuscht, aber man mir zuwenig "hautfalte" gelassen hat, um den eindruck auch in einem ausgeschnittenen oberteil zu wahren. ansonsten fühle ich mich mit dieser silikonbrust zum in den bh einlegen echt wohl. es fühlt sich fast "echt" an. das gewicht, das am träger zieht, die wärme, die es annimmt, alles ist wirklich viel angenehmer als die komische übergangslösung mit füllwatte, die man im krankenhaus erst mal verpasst bekommt. ständig war ich am rumzupfen und habe mich unwohl gefühlt. kein wunder!! sobald man sich auch nur ein minimum bewegte, rutschte die schaumstoffbrust mangels gewicht irgendwo richtung schlüsselbeingrube und man sah "seltsam verwachsen" aus... die blicke - unbezahlbar. ;) 

so, auf geht's zur lymphdrainage... ein lichtblick im dunkeln. es ist doch toll, eine dreiviertelstunde sanft massiert und "gestreichelt" zu werden. ich hoffe, ich werde noch lange so verwöhnt werden. die krankenkasse sagt ja, es sei nicht erwiesen, dass lymphdrainage ein probates mittel gegen lymphstau wäre... mir aber völlig wumpe!! wenn man schon so einen scheiß wie krebs ertragen muss, dann möchte ich mich auch mal einfach hinlegen können, gott nen guten mann sein lassen und mich befummeln und beknatschen auf rezept lassen, himmel!!

wie seht ihr das??