Donnerstag, 22. September 2016

än haufe zucker...

bei der letzten chemo saß ich neben einer absoluten spaßbremse. nun ist es ja auch nicht unbedingt zu erwarten, dass man zu humorigen ausbrüchen neigt, wenn einem das pure gift in die adern gepumpt wird. nee, aber ich versuche immer, es mir, als auch meinen mitmenschen so angenehm wie möglich zu machen. sprich: ich versuche, den anderen leuten weder unziemlich auf die pelle zu rücken (körperlich und auch verbal), noch klugscheißernd ihre nerven zu strapazieren oder ihnen irgendwie in die parade zu fahren. bislang scheint mir das auch gelungen zu sein, denn jeder, der schon mal neben oder vor mir saß, sitzt auch weiterhin freiwillig in meiner nähe...

letztes mal allerdings platzierte ich mich zwischen zwei mir bislang unbekannten frauen und grüßte nach beiden seiten freundlich. eine der beiden begann auch sofort mit mir ein gespräch. ich nahm eine flasche ginger-ale aus meiner tasche, das mag ich momentan sehr gerne. plötzlich mischte sich die andere dame, die bislang, aus welchen gründen auch immer, mit finsterer miene in die runde geschaut hatte, in unser gespräch ein: "däs is doch ä limo, odder??" ich sagte ja und sie blaffte mich an: "do is än haufe zucker drin!!" ich ging nicht weiter darauf ein, aber das mit käse überbackene laugenbrötchen, das ich dabei hatte, erregte ebenfalls ihren unmut. mir wurde ein langer vortrag gehalten, dass im fernsehen über versteckten zucker in nahrungsmitteln berichtet wurde und dass dieser den krebs ernähren würde und dass ich ja eh schon dick sei und deshalb noch mehr zucker meiden solle... (mir quallerten schon die worte hoch, dass sie sich ihre weisheiten dahin stecken soll, wo die sonne nicht hinscheint... äääh... dass das ja hochinteressant sei, aber ich momentan nicht wirklich interessiert sei an änderungen meiner essgewohnheiten...) ich schwieg dazu. die nette dame, mit der ich mich unterhalten habe, war fast ohnmächtig vor unterdrücktem lachen. 

wir nahmen unser gespräch wieder auf und landeten nach einigen minuten beim thema obst. ich liebe ja aprikosen und es ärgert mich immer wieder, wenn ich für teueres geld beim obsthändler welche kaufe und die schmecken dann nach eingeschlafenen füßen. da fuhr wieder die weltverbesserungsspezialistin dazwischen und krakeelte: "awwer kä trauwe un kä kirsche esse!! do is ÄN HAUFE ZUCKER DRIN!!".

sorry - da ist mir der hals geplatzt. ich habe der dame unmissverständlich gesagt, dass ich derzeit jede menge gift infundiert bekomme und mir daher überhaupt nicht der sinn nach ernährungsumstellung oder fastenkuren steht. ich esse und trinke, was mir schmeckt und was ich vertrage und wünsche auch nicht belehrt zu werden... sie zuckte kurz zurück, ließ mich dann aber in ruhe. knebeln und fesseln war nicht notwendig.

sollte sich jemand in meinem umfeld genötigt fühlen, mich über den zuckergehalt von lebensmitteln oder den zusammenhang von adipositas und krebs aufklären zu wollen - lasst es. ich werde militant vorgehen... ;)